Schorsch Kirner
Expeditionen
  Mongolei / Taiga

"MUSNII BAYAR"

 

Eisfest der Nomaden der Taiga - (Ein Fest am Rande der Welt)

Im Norden der Mongolei, nahe der sibirischen Grenze, feiern die Nomaden der Taiga ein Fest auf dem meterdick zugefrorenen Hövskgol-See. Dazu bauen sie aus Eisblöcken, die sie aus dem See schneiden, einen Zeremonienplatz mit Figuren aus ihrer Mythologie auf, aber auch mit Tieren, die in der Taiga vorkommen, wie z.B. Bären, Rentiere und Hasen, aber auch Dinosaurier sowie kleine Spiel- und Wettkampf-Plätze.

Zu diesem Fest kommen die Nomaden mit ihren Pferdeschlitten, um hier ihre Freunde und Verwandte wieder einmal zu treffen. Sie freuen sich auf die Abwechslung nach dem langen und brutal kalten Winter, den sie im Winterlager verbringen müssen, um dort auf den Frühling zu warten, bis sie wieder mit ihren Herden zu den Sommer-Weiden ziehen können.

Durch die erzwungene, monatelange Pause bekommen vor allem die Männer am Ende des Winters eine Art "Lagerkoller", werden oft auch aggressiv. So kommt das Fest genau zur richtigen Zeit, denn dort können sie in kleinen Wettkämpfen ihre Kraft oder Geschicklichkeit messen, unter anderem beim Pferdeschlitten-Rennen. Ein Sieg oder eine gute Plazierung ist dann der ganze Stolz des Besitzers. Die Freude darüber, aber auch das Wiedersehen mit Freunden wird dann meist mit viel Vodka gefeiert.

Viel Spass haben die Nomaden auch bei einer Art "Eisstock-Schiessen", wobei sie einen Eisblock durch einige Hindernisse so schnell wie möglich ins Ziel bringen müssen. Der Höhepunkt des Festes ist dann das Erscheinen des Schamanen, der sich nach Sonnenuntergang vor einem riesigen Feuer mit Tanz und wilden Trommelschlägen in Trance versetzt, um so Kontakt zu den Geistern der Taiga zu bekommen. Diese bittet er dann um ein schnelles Ende der kalten Jahreszeit und dass Sonne und Wärme die Natur erwachen lassen.

Dies war eine beeindruckende Zeremonie, der die Menschen mit voller Inbrunst und Gläubigkeit beiwohnten, dann kehrten sie nach zwei Tagen Spiel, Sport und fröhlicher Feierlichkeiten gestärkt und voller Hoffnung auf ein gutes Jahr für den nun leichter zu ertragenden Rest des Winters in ihre Winterlager zurück und freuten sich schon auf das nächste Eisfest.